Pleroma + Naut = Pleronaut
Der Pleronaut
Ein Reisender, der nicht fortwill – sondern sich erinnert.
Der Astralreisende möchte irgendwohin reisen.
Der Pleronaut möchte sich daran erinnern, woher er kommt.
Wie setzt sich der Name zusammen?
Pleroma bedeutet Fülle. In der gnostischen Bildwelt ist es die geistige Heimat, die ungeteilte Fülle des Lichts. Die Endung -naut kennen wir vom Astronauten, Kosmonauten oder Aquanauten: Sie bezeichnet den Reisenden.
Der Pleronaut ist also der Reisende zur Fülle. Nur führt seine Route nicht über Kilometer. Sie führt durch die Schichten, die er gewöhnlich mit sich selbst verwechselt: Name, Lebensgeschichte, Rolle, Körper, Gefühle und Gedanken.
Drei Teile der Bordausrüstung
Der Körper ist der Raumanzug.
Die Seele ist die Bord-SIM.
Der Geist ist der Reisende.
Der Raumanzug macht das Leben in dieser Welt möglich. Die Bord-SIM steuert Persönlichkeit, Gefühle, Erinnerungen und viele automatische Programme. Der Geist ist das wahrnehmende Licht, das Anzug und Programme beobachten kann.
Der Pleronaut verachtet seinen Anzug nicht. Er putzt das Visier, repariert undichte Stellen und gönnt der Bord-SIM gelegentlich ein Update. Er macht nur einen entscheidenden Fehler nicht mehr: Er hält die Ausrüstung nicht für den Reisenden.
Nicht von dieser Welt – und trotzdem hier
„Ich bin nicht von dieser Welt, aber ich lebe in dieser Welt“ ist kein Aufruf zur Flucht. Es ist eine doppelte Erinnerung: Meine tiefste Identität erschöpft sich nicht in Materie, Zeit und Biografie. Gleichzeitig findet mein gegenwärtiges Leben genau hier statt.
Der Pleronaut lebt deshalb mit beiden Füßen im Alltag und mit einer offenen Frage im Geist. Er bezahlt Rechnungen, trinkt Kaffee und sucht gelegentlich seine Schlüssel. Aber er weiß: Das Einsatzgebiet ist nicht die Heimat.
Der unfreiwillige Einsatz „Erde“
In der gnostischen Erzählung wirkt das Leben manchmal wie ein Einsatzbefehl, den niemand bewusst unterschrieben hat: Anzug zugeteilt, Bord-SIM aktiviert, Gedächtnis eingeschränkt – viel Erfolg!
Der Humor nimmt dem Gedanken nicht seine Kraft. Er verhindert nur, dass Erkenntnis zu neuer Schwere wird. Die Aufgabe des erwachten Pleronauten lautet nicht, über das Gefängnis zu jammern. Er beginnt, die Mechanismen des Vergessens zu erkennen und anderen zuzuflüstern: „Schau noch einmal hin. Du bist mehr als dein Anzug.“
Sein Navigationssystem
- Reiserichtung: nach innen und hinter die gewohnte Identität
- Signal: die leise Erinnerung des inneren Lichts
- Störsender: Ablenkung, Angst, Rollen und automatische Programme
- Werkzeug: die Zeugen- oder Beobachterübung
- Ziel: nicht ein spektakuläres Erlebnis, sondern klares Erkennen